Eliza Ballesteros

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UPCOMING EXHIBITIONS
Oktober 2019 - groupshow
Basis Frankfurt

November 2019 - groupshow
Ortloff Leipzig

February 2020 - groupshow
K21 Düsseldorf


thejesterx01

THE JESTER X, 2019
Graduation Show
Kunstakademie Düsseldorf

In a scattered truth,
in a blinding blur,
the inversion happened.
Something silent that has been heralded;
Who has become the 𝘱𝘰𝘵𝘦𝘯𝘵𝘢𝘵𝘦 ?

Floor installation of 25 diamond shaped vinyl cuts, semi- glazed ceramic bells, dollies with laser cut aluminium corner fittings


young&raging.stitch

YOUNG AND RAGING, 2019
Installation at the campus area of
Heinrich-Heine Universität, Düsseldorf

as part of the CAMPUS BEAUTIFUL Project 25.04.2019 – 23.05.2019

YOUNG AND RAGING

Junges Vermögen der Wut
Freiraum ist der Schlüsselbegriff und die notwendige Bedingung für Kritik und neue Ideen. Nur wer sich unabhängig bewegen kann – real oder gedanklich – besitzt das Vermögen kreative Prozesse in Gang zu setzen. So kann man, frei in Raum und Zeit, noch bisher Leeres mit Inhalten füllen und nicht wie die Anderen denken, sondern dem Eigenen Ausdruck verleihen. Ein Campus – so die Utopie – kann solch ein geschützter Raum, frei von fremden, arbeitsbestimmenden Strukturen sein. Studierenden wird ein Raum geboten, an dem sie lernen, kommunizieren, Ideen entfalten und sich emanzipieren können.
Doch was passiert, wenn dieser Freiraum immer kleiner wird? Dann sollte man sich empören!

Eliza Ballesteros Schriftzug YOUNG AND RAGING überzieht die Backsteinwand von Georg Penkers Areal der Heinrich-Heine-Universität. Mit einem Hochdruckreiniger beschreibt die Künstlerin den durch den Witterungsprozess verdunkelten Außenbereich, indem sie durch die Reinigung die ursprüngliche Farbigkeit wieder zutage bringt. Formal, im Sinne der einfachen, handschriftlichen Graffiti wie sous le pavés, la plage der Situationistischen Internationalen (1), und inhaltlich, als Aufruf zum Ausbruch aus alltäglichen Strukturen, wird hier an die Studierendenrevolten erinnert und politisches Engagement aktualisiert. Einerseits durch den künstlerischen Prozess der Reinigung, der das Gras, welches über die Vergangenheit gewachsen ist, entfernt und symbolisch die politische Aufbruchsstimmung der späten 60er Jahre in Europa in das aktuelle Zeitgeschehen zurückholt. Andererseits ist die Verwendung von einem simplen, schnell mit der Hand geschriebenen Schriftzug als aufweckendes Statement zum Protest und zur Wut zu verstehen. Für einige Zeit, bis das Wetter und die Umwelt die Wand wieder für sich eingenommen haben, ist der Schriftzug zu lesen. Sodann wieder jemand das Wort ergreifen muss.

Wiederkehren und Verschwinden, ein Zyklus, der die Gesellschaft an die Notwendigkeit der Erneuerung und Aktualisierung von Ideen erinnert: Die Zeit als wesentlicher Teil der langsam verblassenden Arbeit von Eliza Ballesteros ruft in Erinnerung, sich nicht passiv dem Spektakel (2) hinzugeben, sondern aktiv und kritisch aus diesem herauszubrechen und Konstruktionen der Gesellschaft nicht als gegeben hinzunehmen: »Der Gedanke der Ewigkeit ist der gröbste, den sich ein Mensch über seine Handlungen machen kann. [...] Die situationistische Herausforderung an die vergehenden Emotionen und die Zeit wäre die Wette, mit der Veränderung immer wieder zu gewinnen [...].« (3) Ebenso temporär ist YOUNG AND RAGING – als Verweis, wie wenig man sich auf die Revolution der Eltern verlassen kann. Vielmehr geht es darum, den Moment der Jugend und ihre Wut als Potential zu nutzen, um das Gegebene neu zu denken.

Text von Hannah Rhein

1 Vgl. Biene Baumeister, Zwi Negator: Situationistsiche Revolutionstheorie. Eine Aneignung Stuttgart 2007
2 Vgl. Guy Debord: Die Gesellschaft des Spektakels, Berlin 1996 [La Société du Spectacle, 1967].
3 Guy Debord: Rapport zur Konstruktion von Situationen, Edition Nautilus Flugschrift No. 23, Hamburg, 1980

Photos by Ludwig Kuffer


Reckon_full

ceramic objects, oxidized steel nails, felt cowboy hat, old Berlin plinth

RECKON, 2018

ung5, Cologne

RECKON

Transformationen.
glauben, meinen, denken, berechnen – von der Idee zum Wissen; aus der Fiktion in die Realität; vom Material zum Objekt: RECKON.
Material hat Eigenschaften, die Formen bestimmen, Objekte definieren; ihnen Struktur und Ausdruck verleihen. Erst durch den Einsatz von Hand und Maschine kann aus dem Ersten etwas Zweites werden, das die Betrachterin als solches zu erkennen weiß.
Doch irritiert die Relation: Groß ist, was doch klein sein sollte; still ist, was ankündigt. Die Fenster ermöglichen nur eine Perspektive auf Zimmer, die betreten werden wollen, aber Vorbeilaufende müssen draußen bleiben und können sich nur in der Fiktion im Kunstraum bewegen und seine Dimension aus anderen Winkeln prüfen. So muss der Gedanke die Schwelle übertreten, die Tür zum nächsten Raum öffnen und so das eine zum anderen bringen. Das Verbindende wird zentral – auch wenn die Kette aus einzelnen Gliedern besteht, ist sie erst in der Zusammenkunft der Einzelteile vollständig und als solche zu definieren. Doch was liegt dazwischen? Was muss so dringlich überwunden werden?
Eliza Ballesteros setzt ihre bildnerischen Objekte ins Bild; sie nutzt die Fenster des ≈5 als Rahmen und macht ihre Arbeiten zueinander erfahrbar. Dieses wundersame Hinterzimmer in der fließenden U-Bahn-Station irritiert und hält auf; doch bloß so kann sich ein Gedanke ins Abseitige der Gewohnheit verlaufen. Wir stoppen unsere Bewegung und ruhen, nutzen die Möglichkeit des Aufgehaltenwordenseins und setzen uns mit dem, was vor uns steht, auseinander. Und was sehen wir? Einen abgelegten Cowboyhut, der in seiner Materialität seinem patriarchalen Träger zu wiedersprechen scheint; Glöckchen, deren Klang verstummt und nicht mehr zu seinem ursprünglichen Besitzer gehören können, zu groß sind sie für den Narren geworden; der Harlekin muss nun ein Anderer sein. Aber wer ist der Übermächtige?

Geht es denn darum, das Ungeklärte zu lösen und das Trennende zu entfernen? So zeigt uns doch erst die Brücke zwischen dem Uneinen, wie eine Distanz negiert werden kann;
denn „jede Trennung ist eine Verbindung“¹. Eliza Ballesteros findet ein Bild für Simone Weils Metapher der durch Wände getrennten und doch über sie kommunizierenden Gefangenen und macht so auf das Dazwischen aufmerksam, indem hier eine Kette in ungewöhnlicher Größe und Stärke inszeniert wird.

Text von Hannah Rhein


steel, swinging hinges

THE GATE, 2018

Eliza Ballesteros hat mit THE GATE (2018) die Tür zu dem neben dem Haupteingang gelegenen ‚Klassenraum 001’ durch eine massive, aus Stahl geschweißte, zweiflügelige Schwingtür ersetzt.
Mit dieser skulpturalen Unterwanderung der klassizistischen Repräsentationsarchitektur der Kunstakademie Düsseldorf betont THE GATE die porösen Grenzen zwischen Innen und Außen, zwischen privaten und öffentlichen sowie zwischen Arbeits- und Ausstellungsraum. Gleichzeitig verweist die Arbeit unmissverständlich auf die mit der Nutzung von öffentlichen Institutionen einhergehenden Zugangs- und Sicherheitsdebatten. Ballesteros’ nicht zu verschließendes THE GATE dient jedoch allein als Sichtschutz und kann jederzeit von selbstermächtigten Körpern aufgestoßen werden.

Text von Eva Birkenstock


© Eliza Ballesteros 2019